Beitrag im Oltner Tagblatt vom 17. Mai 2017

Die Vogt AG, eine Firma spezialisiert auf Verbindungstechnik, will trotz hoher Kosten und Frankenstärke in Lostorf bleiben

Beim Kaffeetrinken, beim Fernsehschauen, beim Telefonieren, beim Lichteinschalten, beim Tramfahren oder beim Fliegen: Überall ist die Firma Vogt AG in Lostorf mit ihren Produkten dabei. Sie fertigt jährlich über zwei Milliarden kleine und kleinste Kontaktteile, um den jeweiligen internen Stromkreislauf sicherzustellen. Die Teile kommen in fast allen Branchen zum Einsatz, von der Automobil-, über die Maschinen-, Telekommunikations- bis hin zur Flugzeugindustrie.

Über zwei Milliarden kleinste und kleine Kontaktteile für elektrische Verbindungen stellt die Vogt AG in Lostorf jährlich her

So wird etwa das Funktionieren der Türsysteme bei Zürcher Trams oder im Airbus A380 durch die Kontaktteile sichergestellt. Letztlich sorgen sie für die Freigabe oder das Verhindern der Abfahrt des Trams oder des Starts des Flugzeuges. Und trotzdem ist das Familienunternehmen in der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt. «Unsere Produkte sind, weil eingebaut, für Anwender und Konsumenten unsichtbar», sagt Thomas Vogt, der das Familienunternehmen in zweiter Generation führt.

Die Vogt AG sei ein typischer Zulieferer, der keine Endprodukte, sondern eben Teile und Komponenten fertigt, grossteils für die Elektro- und Elektronikindustrie, erklärt der 50-Jährige auf dem Betriebsrundgang. Auf zig Anlagen wird produziert. «Teilweise laufen die vollautomatischen Anlagen rund um die Uhr, in Geisterschichten.»

Trotz der Massenproduktion von Industriegütern kann sich das Unternehmen mit Produktionsstandort Schweiz behaupten. Was 1962 von Vater Peter Vogt als Kleinstbetrieb gegründet wurde, hat sich bis heute zu einem respektablen KMU mit rund 100 Angestellten entwickelt. In Lostorf ist das Unternehmen kontinuierlich gewachsen und ist aktuell an drei Standorten präsent. In Meinisberg im Berner Seeland betreibt die Vogt AG zusätzlich eine Stanzerei mit rund 20 Beschäftigten.

Euro macht Druck

Bei einem Exportanteil von über 80 Prozent und mit Deutschland als grösstem Einzelmarkt spielt die Währungsentwicklung eine entscheidende Rolle. Und diese läuft, insbesondere seit der Aufhebung der Wechselkursuntergrenze zum Euro im Januar 2015, gegen die Vogt AG.

Der starke Franken macht die elektrischen Verbindungsteile ohne Mehrwert teurer. «Das ist unsere grösste Herausforderung», sagt der Unternehmer und Betriebsökonom. Man habe wichtige Kunden allein wegen des Währungseffektes verloren. Der Umsatz sei seit 2012 um rund 25 Prozent zurückgegangen. Inzwischen liegen die Verkäufe der Vogt-Gruppe wieder bei gut 20 Millionen Franken. Im gleichen Zeitraum sei der Personalbestand von 120 auf eben 100 Mitarbeitende gesunken. «Wir mussten aber keine Entlassungen aussprechen, der Abbau erfolgte über die natürliche Fluktuation», hält der Unternehmer fest. Tendenziell steige der Personalbestand wieder an.

Das Unternehmen hat auch auf der Fertigungs- und Produktseite reagiert. «Wir haben in den letzten Jahren trotz Krise laufend Investitionen getätigt. Zudem wird in den nächsten zwei Jahren ein siebenstelliger Betrag in die automatische Produktion, Prozessoptimierung und neue Betriebssoftware investiert», berichtet Vogt. Ferner werde der Vertrieb mit eigenen Niederlassungen im Ausland neu aufgebaut.

Vom Standard zur Spezialität

Aber primär wandle man sich vom Hersteller von Standardprodukten zum lösungsorientierten Anbieter von kundenspezifischen Komponenten. «Das Projektgeschäft ist deutlich weniger preissensibel als das Standardgeschäft.» Heute liege das Verhältnis bei 60 Prozent Standard- zu 40 Prozent Projektgeschäft. Ziel sei mindestens ein ausgeglichenes Verhältnis.

Im letzteren Geschäftsfeld seien höhere Margen möglich und man könne sich besser von der starken, ausländischen Konkurrenz abheben. «Es gibt heute Teile der elektromechanischen Verbindungstechnik, die aus Kostengründen in Europa gar nicht mehr hergestellt werden, sondern nur noch in Asien.» Um die Spezialisierung voranzutreiben, habe man auch ein eigenes 3D-Messlabor zur Qualitätskontrolle in Betrieb genommen. Dank eigener Engineering- und Konstruktionsabteilungen sowie der hauseigenen Werkzeugfertigung sei man flexibel und könne rasch auf Kundenwünsche reagieren.

Während andere Industriefirmen dem Kostendruck nicht mehr standhalten können und die Produktion ins Ausland verlagern, beurteilt das Vogt anders: «Eine Verlagerung ins Ausland ist für uns kein Thema.» Denn bei der Grösse der Firma Vogt wäre eine Teilverlagerung unmöglich, man müsste den gesamten Betrieb auslagern. «Wir wollen aber am Standort Schweiz festhalten.»

Elektromobilität ist Chance

Derzeit ist das Familienunternehmen auf Kurs. «Umsatzmässig liegen wir in den ersten Monaten 2017 rund 10 Prozent über Vorjahr und der Auftragsbestand ist gut.» Grosse Hoffnung setzt Vogt in das Thema Elektromobilität. «Ich gehe davon aus, dass dieser Bereich für uns zu einem Kerngeschäft wachsen kann.» Trotzdem sei das Überleben als eigenständiger Produzent mit Standort Schweiz nicht einfach, insbesondere mit dem starken Franken. «Wir schreiben zwar keine roten Zahlen, aber der Ertrag ist nur knapp genügend. Wir müssen längerfristig eine höhere Rendite erwirtschaften.»


 

Autor: Thomas Vogt

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